• Foto zum Thema "Gewerkschaft beitreten": Zu sehen ist Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend.
    Aktuell hagelt es Angriffe auf den Sozialstaat, die Rechte von Arbeitnehmenden und das Berufsbeamtentum. Ein Anlass für alle im öffentlichen Dienst, einer Gewerkschaft beizutreten, sagt Matthäus Fandrejewski, Chef der dbb jugend. Foto: Alex Habenicht

Gewerkschaft beitreten: Ja oder nein? Fandrejewski: Jetzt mitgestalten statt abwarten

Du überlegst, einer Gewerkschaft beizutreten? Der Zeitpunkt könnte nicht günstiger sein, schreibt Matthäus Fandrejewski, Chef der dbb jugend. Denn die Herausforderungen sind enorm.

Eine Teilzeit-Debatte, welche die Realität der Menschen verkennt. Pläne, den Acht-Stunden-Tag durch eine Wochenarbeitszeit zu ersetzen. In vielen Diskussionen geraten zentrale gewerkschaftliche Errungenschaften unter Druck.

Wir erleben zahlreiche Angriffe auf den Sozialstaat und die Rechte von Arbeitnehmenden. Hier braucht es eine starke Stimme. Hier braucht es Haltung. Als Interessenvertretung des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche halten wir als dbb jugend dagegen. Klar, sachlich und entschlossen.

Gewerkschaft beitreten und Erfolge sichern

Als Sozialpartner bringen wir uns aktiv in die politische Debatte ein. Aber auch bei Tarifverhandlungen, die das gewerkschaftliche Kerngeschäft bilden, erzielen wir wichtige Erfolge für die Arbeitnehmenden.

In diesem Jahr haben die Gewerkschaften einen wichtigen Tarifabschluss erzielt: für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder. Besonders profitiert vom Tarifabschluss haben Auszubildende, dual Studierende und Praktikant*innen. Gefordert waren 200 Euro mehr, am Ende standen 150 Euro in der Tarifeinigung. Zudem haben die Tarifparteien die Übernahmeregelung verlängert. Wer seine Ausbildung oder sein duales Studium mit mindestens „Befriedigend“ abschließt, wird unbefristet übernommen.

Diese Ergebnisse sprechen für sich. Sie zeigen klar: Gewerkschaftliches Engagement wirkt. Es lohnt sich, einer Gewerkschaft beizutreten. Jetzt mitgestalten statt abwarten – genau das macht den Unterschied. Und es lohnt sich, auf die Straße zu gehen. Wer demonstriert oder an Warnstreiks teilnimmt, stärkt Tarifverhandlungen den Rücken.

Nicht die Arbeitszeit entscheidet über Ergebnisse, sondern die Effizienz.

Matthäus Fandrejewski

Teilzeit verteidigen

Zurück zu den Beispielen aus der politischen Debatte der vergangenen Monate, die verdeutlichen, wie wichtig unser Engagement ist. Der Vorschlag des Wirtschaftsflügels der Union, das Recht auf Teilzeit einschränken, ging vollkommen an der Lebensrealität der Arbeitnehmenden vorbei. Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ war ein Fehlgriff.

Denn es gibt viele gute Gründe für Teilzeit. Menschen kümmern sich um ihre Kinder. Sie pflegen Angehörige. Sie können aus gesundheitlichen Gründen nicht in Vollzeit arbeiten. Oder sie engagieren sich ehrenamtlich. All das gehört zu einer modernen Arbeitswelt.

Zentral ist für mich: Nicht die Arbeitszeit entscheidet über Ergebnisse, sondern die Effizienz. Wichtiger sind Fortschritte bei Digitalisierung und Bürokratieabbau, für die wir uns als dbb jugend einsetzen. Dort liegt der Hebel. Der Vorschlag, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, ist zum Glück inzwischen vom Tisch – auch dank klarer Kritik.

Mehr entdecken: „Politik ist gut beraten, Teilzeit nicht an den Pranger zu stellen“

Arbeitszeit kritisch prüfen

Doch die nächste Diskussion hat bereits begonnen: Die Regierung plant eine Reform der Arbeitszeit. Künftig könnten bis zu 48 Wochenstunden flexibler verteilt werden. Das würde Arbeitstage von bis zu 13 Stunden ermöglichen.

Ich sehe diese Entwicklung kritisch. Gerade in Bereichen ohne Tarifbindung wächst der Druck durch Personalmangel. Studien zeigen deutlich: Sehr lange Arbeitszeiten erhöhen das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen, Erschöpfung und Burn-out.

Auch Schichtsysteme könnten sich verändern. Statt drei Schichten à acht Stunden drohen Modelle mit zwei Schichten à zwölf Stunden. Das würde viele Beschäftigte stark belasten, befürchten Expert*innen. Wir als dbb jugend schauen genau hin und begleiten das Vorhaben kritisch.

Im Übrigen ist klar: Die Politik muss die Arbeitszeit der Bundesbeamtinnen und -beamte endlich wieder von 41 auf 39 Stunden zurückführen. Das ist längst überfällig, denn die Politik hat die Verlängerung der Arbeitszeit ursprünglich als befristete Übergangslösung eingeführt – und nicht als Dauerzustand!

Vorurteile abbauen

Ein weiteres Thema ärgert mich besonders: die öffentliche Wahrnehmung von Beamtinnen und Beamten. Viele Vorurteile halten sich hartnäckig.

Die Realität sieht anders aus, als viele Menschen glauben. Wir müssen uns den Wert des Berufsbeamtentums vor Augen führen. Lehrkräfte vermitteln Bildung und sichern die Zukunft unseres Landes, davon profitiert die Wirtschaft. Polizistinnen und Polizisten sorgen für Sicherheit, ein elementares Grundbedürfnis. Beschäftigte beim Zoll bekämpfen Schmuggel, Markenfälschungen und Schwarzarbeit. Und die Kolleg*innen beim Finanzamt sorgen dafür, dass der Staat eine finanzielle Grundlage hat – für Investitionen in Bildung, Sicherheit, Straßen und vieles mehr.

Diese Leistungen verdienen Respekt. Ohne Beamtinnen und Beamte funktioniert unser Staat nicht. Mit dem pauschalen Beamten-Bashing muss endlich Schluss sein!

Gewerkschaft beitreten und Demokratie stärken

Eine Gewerkschaft steht nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen. Wer sich entscheidet, einer Gewerkschaft beizutreten, stärkt auch demokratische Strukturen.

Beamtinnen und Beamte leisten einen Eid auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Sie sichern Stabilität und wirken Extremismus entgegen. Gerade mit Blick auf politische Entwicklungen, etwa Wahlen wie in Sachsen-Anhalt, zeigt sich die Bedeutung eines starken öffentlichen Dienstes.

Mehr entdecken: Was tun gegen Extremismus?

Der öffentliche Dienst muss Vorbild sein. Für Demokratie, für Diversität, für Gleichberechtigung. Dafür setzen wir uns als dbb jugend ein.

Gemeinsam aktiv werden

In der dbb jugend ziehen wir an einem Strang. Wir bringen Themen voran, die junge Menschen direkt betreffen: gesunde Arbeitsbedingungen, ein modernes Berufsbeamtentum und echte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Wir setzen uns für mehr Sicherheit im Job ein, treiben die Digitalisierung voran und kämpfen für faire Chancen zwischen den Generationen.

Wer einer Gewerkschaft beitreten möchte, gestaltet aktiv mit. Du kannst deine Interessen einbringen, Veränderungen anstoßen und gemeinsam mit anderen etwas bewegen. Unter unserem Dach gibt es Fachgewerkschaften für alle Bereiche des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche. Hier findest du eine Übersicht.

Wir freuen uns auf dich!

Matthäus Fandrejewski