• Foto zum Thema "Ausbildung zum Schiffsmechaniker": Zu sehen ist Tobias, der die Ausbildung absolviert hat, im Trockendock vor dem Schiff "Atair".
    Jobkompass
    Alle fünf Jahre steht bei Schiffen der TÜV an: Tobias ist Schiffsmechaniker und kontrolliert mit seinem Team die "Atair" im Trockendock. Foto: BSH

Ausbildung zum Schiffsmechaniker Die Wissenschaft aufs Meer begleiten

Tobias ist Schiffsmechaniker, Bootsführer und Tauchersignalmann. Abwechslung prägt seinen Job – manche Situationen überraschen.

Zum FAQ: Ausbildung zum Schiffsmechaniker / Schiffsmechanikerin

Ein Tag im Mai auf der Nordsee, der Taucher ist unter Wasser. Tobias steht an Bord und hält die Leine. „Wir haben natürlich Sprechkontakt, aber wenn der Kollege Hilfe braucht, kann er immer an der Signalleine ziehen“, erklärt er. Die Leine ist das Backup.

Plötzlich verfängt sich das Backup am Boot. Tobias versucht, das Problem mit einer schwungvollen Bewegung zu lösen. Ausgerechnet jetzt schaukelt es, der gebürtige Rostocker verliert das Gleichgewicht und geht über Bord. Sein Kollege funkt den Taucher an und lacht: „Bleib mal kurz, wo du bist, die Leine hat sich verhakt und Tobi ist gerade ins Wasser gefallen.“

Tobias Dorn – Schiffsmechaniker, Bootsführer und Tauchersignalmann – klettert schnell über die Leiter, die auch die Taucher nutzen, wieder ins Trockene. Er legt die aufgeblasene Rettungsweste ab und eine neue an. Dann gelingt es, die Leine zu befreien. Gefahr bestand zu keinem Zeitpunkt. Getaucht wird nur bei ruhiger See, außerdem muss Stauwasser sein. Das ist die Phase zwischen Ebbe und Flut, in der die Strömung – wenn überhaupt – nur sehr gering ist.

Tobias arbeitet auf der Atair, ein Schiff des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Der Auftrag: Wracksuche, Forschungsmissionen und Seevermessung. Zum Zeitpunkt des Interviews mit #staatklar befindet sich das Schiff nicht auf der Nordsee, es schwimmt nicht einmal mehr im Wasser, sondern liegt im Trockendock in Wewelsfleth, unweit der Elbemündung. „Alle fünf Jahre steht bei Schiffen der TÜV an“, erzählt der 34-Jährige, der die Generalüberholung mit seinem Team an Bord begleitet. Maschinen, Sicherheitssysteme, die Außenhülle – alles wird überprüft und gegebenenfalls repariert.

Erst Schiffsmechaniker, dann Bootsführer

In der Oberstufe, kurz vor dem Abitur, steht für Tobias schon fest, dass er zur See fahren und eine Ausbildung machen möchte. Er bewirbt sich bei Reedereien, aber die meisten sagen ab, weil die Wirtschaft kriselt. Beim BSH bekommt er die Zusage für die Ausbildung zum Schiffsmechaniker. Er lernt, wie er Kolben und Einspritzdüsen an der Maschine austauschen muss. Und dass es oft die Pumpen sind, die kaputtgehen. Schiffe haben eine eigene Werkstatt an Bord, idealerweise mit sämtlichen Ersatzteilen. Denn die lassen sich auf See nicht eben beschaffen.

Nach der Ausbildung entscheidet sich Tobias, Schiffsbetriebstechnik zu studieren. Doch nach zwei Semestern heuert er wieder beim BSH an. „Das Studium war einfach nicht das Richtige für mich. Ich sage immer, dass ich erfolgreich abgebrochen habe.“

Der gelernte Schiffsmechaniker nutzt andere Wege, um sich weiterzubilden: Er absolviert einen Lehrgang zum Bootsführer und erhält das kleine nautische Patent, das ihn berechtigt, Schiffe bis zu einer gewissen Größe zu steuern. Und er bildet sich zum Tauchersignalmann weiter.

Daten einholen, Wracks untersuchen

Die Arbeit mit den Tauchern, das Boot steuern, den Anker ins Wasser lassen: Abwechslung prägt den Arbeitsalltag. Hinzu kommt, dass immer wieder andere Teams mit Wissenschaftler*innen an Bord sind. Tobias fährt das Beiboot, wenn sie Proben einholen. Einmal im Jahr, in den Sommermonaten, steuert die Atair sämtliche Messstationen an, auch in der englischen, norwegischen und dänischen Nordsee. Salz- und Sauerstoffgehalt, Temperatur und Algenvorkommen liefern Informationen über den Zustand der See. „Es wird nicht besser, die Klimaveränderungen lassen sich nicht leugnen“, unterstreicht der Bootsführer. „Die Temperaturen steigen, Stürme werden häufiger und heftiger.“

Ein weiterer Auftrag der Atair: Informationen für Seekarten liefern. Unter anderem fährt sie Stellen an, wo Wracks auf dem Meeresboden liegen. Das ist zum Beispiel in der Elbmündung der Fall, die seit Jahrhunderten stark befahren ist. Wracks können sich bei Strömung verschieben, Teile können abbrechen und zur Gefahr werden. Deshalb sind sie auf den Seekarten verzeichnet. So ist sichergestellt, dass alle Schiffe stets ausreichend Wasser unter dem Kiel haben.

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Welche Eigenschaften im Job wichtig sind? „Man muss damit klarkommen, länger nicht zu Hause zu sein“, berichtet Tobias. Eine Tour auf der Nordsee dauert in der Regel zehn Tage. „Bei uns macht man zwei Touren, die dritte setzt man aus und hat zehn Tage frei“ – viele in der Seeschifffahrt seien noch seltener daheim. Außerdem wichtig: handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit und soziale Belastbarkeit. „An Bord ist nicht viel Platz, das muss einem bewusst sein.“

Und dann ist da noch die Sache mit der Seekrankheit. „Ich habe kein Problem damit, aber gelegentlich haben wir Leute an Bord, die haben eins.“ Manche würden sich nach einigen Tagen an das Rollen und Stampfen des Schiffes gewöhnen, andere bekäme die Crew kaum zu Gesicht, weil sie in der Kabine bleiben. Tobias rät allen, die überlegen, längerfristig auf dem Meer zu arbeiten: „Macht vorab ein Praktikum!“

Du willst mehr über die Arbeit des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie erfahren? Im dbb magazin findest du eine Reportage.

Nach Feierabend kann die Crew nicht einfach nach Hause gehen. Doch Langeweile kommt an Bord nicht auf. Es gibt einen Fitnessraum, eine Leinwand, auch Telefon und Internet stehen über Satellitenempfang zur Verfügung. Der Schiffskoch sorgt fürs leibliche Wohl. „Man sitzt oft abends zusammen und quatscht, die Kolleginnen und Kollegen sind wie eine zweite Familie“, erzählt Tobias. Für ihn ist es immer wieder etwas Besonderes, morgens den Sonnenaufgang und abends den Sonnenuntergang zu erleben. „Ich weiß gar nicht, wie viele Fotos ich schon gemacht habe.“

Text: Christoph Dierking

FAQ: Ausbildung zum Schiffsmechaniker / zur Schiffsmechanikerin

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung mitbringen?

Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben, die Zugangsvoraussetzungen können sich unterscheiden. Entscheidend ist jedoch die Seetauglichkeit, die ein Arzt bescheinigt.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) setzt einen Schulabschluss voraus.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Schiffsmechaniker / zur Schiffsmechanikerin?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre.

Was sind zentrale Ausbildungsinhalte?

Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Schiffsbetriebstechnik, Ladungs- und Umschlagstechnik sowie die Wartung von Maschinen. Hinzu kommen Metallbearbeitung, außerdem Basics für die Arbeit auf See, wie zum Beispiel das Fest- und Losmachen eines Schiffes.

Wo findet die Ausbildung statt?

Die praktische Ausbildung findet auf dem Schiff statt, die theoretische in Seemannsschulen, beispielsweise in Lübeck-Travemünde.

Was verdient man als Schiffsmechaniker*in?

Die Bezahlung hängt von den Arbeitgebenden ab und lässt sich in der Privatwirtschaft nicht verallgemeinern. Im öffentlichen Dienst starten ausgebildete Schiffsmechaniker*innen in der Regel mit der Entgeltgruppe 6 (TVöD). Wer Zusatzqualifikationen nachweist, kann in höhere Entgeltgruppen aufsteigen.

Aktuelle Entgelttabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.

Welche Karrierechancen bieten sich mir nach der Ausbildung?

Bootsführer*in, Seevermessungstechniker*in, Tauchersignalmann: Es gibt zahlreiche Optionen, sich für die Arbeit auf See weiterzubilden.

Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann ein Studium der Schiffsbetriebstechnik oder Nautik draufsatteln.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen bieten unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, Reedereien die Berufsbildungsstelle See und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.