• Foto zum Thema "Standesbeamt*in werden": Zu sehen ist Elena, Standesbeamtin in Köln. Sie steht im Trauzimmer.
    Jobkompass
    Im Trauzimmer: Bei den Hochzeiten bleiben Überraschungen nicht aus, erzählt Elena. Foto: Stadt Köln

Standesbeamt*in werden Die Liebe amtlich machen

Elena ist Standesbeamtin in Köln. Ihre erste Eheschließung wird sie nie vergessen.

Zum FAQ: Standesbeamt*in werden

Das Hochzeitspaar ist aufgeregt, Elena ist aufgeregt, aber Aufregung gehört bei einer Hochzeit dazu. Alles andere wäre komisch. Das Hochzeitspaar bejaht die alles entscheidende Frage, die Gäste applaudieren, die Stimmung ist ausgelassen. Nach der Zeremonie verrät Elena, dass es ihre erste Trauung gewesen ist. Angemerkt habe man es ihr nicht, sie habe ihre Sache sehr gut gemacht, sagt das überglückliche Hochzeitspaar. Dieser Moment liegt einige Jahre zurück. Inzwischen sind die Abläufe für die Standesbeamtin selbstverständlich. „Aber das heißt nicht, dass sich Routine eingestellt hat“, unterstreicht die 24-Jährige. „Im Standesamt ist Abwechslung Standard. Alle bringen ihre eigene Geschichte mit, alle Eheschließungen sind einzigartig.“

Viel mehr als Hochzeiten

Etwa 5.000 Paare lassen sich jedes Jahr in Köln trauen. Hochkonjunktur herrscht im Frühling und im Sommer, wenn die Sonne scheint. Begehrt ist 2026 auch der 26. eines jeden Monats, erzählt Elena. Doch im Standesamt geht es nicht bloß um Eheschließungen. Zu den Aufgaben gehört auch, Geburten und – weniger erfreulich – Sterbefälle zu beurkunden. Außerdem können alle, die das Selbstbestimmungsgesetz in Anspruch nehmen wollen, ihr eingetragenes Geschlecht ändern lassen. „Bei uns gibt es für alles eigene Abteilungen“, berichtet Elena. „In kleineren Standesämtern ist es meist so, dass alle alles machen.“

Elena startet direkt nach dem Abitur in den dualen Studiengang zur Stadtinspektorin durch, den die Stadt Köln anbietet. „Mir war es wichtig, möglichst schnell die Praxis kennenzulernen“, erzählt die gebürtige Bonnerin. In der Universität Gesetze zu pauken, ohne diese direkt anzuwenden, das habe sie abgeschreckt. Bei der Stadt Köln arbeitet die Anwärterin unter anderem im Marketing und in der Straßenverkehrsbehörde mit. Im letzten Semester hospitiert sie im Standesamt – und ist sofort begeistert: „Man begleitet die Menschen bei einem der wichtigsten Schritte im Leben. Das hat mich schon damals fasziniert und fasziniert mich auch heute noch.“

Vollgeschminkte Clowns mit Perücke darf es allerdings nur unter den Gästen geben.

Elena über Karnevals-Hochzeiten

Wie es der Zufall will, wird im Standesamt eine Stelle frei. Elena bewirbt sich und bekommt den Zuschlag. Doch außer dem Bachelor of Laws, mit dem sie ihr Studium abschließt, ist noch ein weiterer Lehrgang erforderlich. Diesen absolvieren angehende Standesbeamt*innen aus der gesamten Republik an der Akademie für Personenstandswesen im osthessischen Bad Salzschlirf. Welche rechtlichen Voraussetzungen gelten für die Eheschließung? Und welche Namenszusammensetzungen sind erlaubt? Unter anderem diese Fragen stehen auf dem Lehrplan.

Nach dem zweiwöchigen Lehrgang kommt – auch in diesem Fall – die Theorie direkt zur Anwendung: Elena, nun Standesbeamtin im gehobenen Dienst, steigt in den Berufsalltag ein. Sie nimmt Anmeldungen zur Eheschließung entgegen und prüft die Ehevoraussetzungen. Komplex kann es dann werden, wenn mindestens eine*r der Partner*innen aus dem Ausland kommt.

Kniffelig wird es mitunter bei der Namensfindung. In Spanien etwa erhält das Kind von beiden Elternteilen jeweils den ersten Familiennamen. Einen gemeinsamen Familiennamen gibt im spanischen Namensrecht jedoch nicht. Grundsätzlich gilt: „Der Name muss auch im Herkunftsland mit den gesetzlichen Vorgaben übereinstimmen. Sonst können die Betroffenen Probleme bekommen, beispielsweise bei der Ausstellung eines Reisepasses.“

Die Standesbeamtin stellt ebenfalls ein Ehefähigkeitszeugnis für deutsche Staatsangehörige aus, die im Ausland eine Ehe schließen möchten.

Darf ein Greifvogel die Ringe hereinfliegen?

So viel zu den rechtlichen Fragen. Wichtig ist für die Hochzeitspaare natürlich auch der praktische Ablauf am Tag der Trauung. Viele fragen sich, ob das Haustier die Trauringe hereinbringen darf. Besonders in Erinnerung geblieben: der Wunsch eines Paares, einen Greifvogel die Ringe ins Trauzimmer fliegen zu lassen. Doch Tiere dürfen grundsätzlich nicht mit aufs Amt. Es sei denn, es handelt sich um Assistenzhunde. Einen Wunsch, den das Standesamt hingegen gerne erfüllt: Karnevalshochzeiten, die während der fünften Jahreszeit in Köln keine Seltenheit sind. „Vollgeschminkte Clowns mit Perücke darf es allerdings nur unter den Gästen geben“, erklärt die Standesbeamtin. Beide Ehepartner*innen müssen eindeutig zu erkennen sein.

Bei den Trauungen bleiben Überraschungen nicht aus. Einmal, als es um das Unterschreiben der Eheurkunde geht, greift der Bräutigam plötzlich in sein Jackett und zückt einen überdimensionalen Bleistift – und hat die Lacher auf seiner Seite. Und einmal ergreift ein nervöser Trauzeuge selbst die Initiative und steckt dem Bräutigam den Ring direkt selbst an den Finger – unter lautstarkem Protest der Braut. Manchmal, wenn die Zeremonie besonders emotional ist, kann es auch vorkommen, dass Standesbeamt*innen eine Träne der Rührung verdrücken.

Welche Eigenschaften sind im Standesamt gefragt? 

„Vor allem Spaß an der Arbeit mit Menschen und die Fähigkeit, allen vorurteilsfrei zu begegnen“, sagt Elena. Weiterhin sind Empathie, ein Verständnis für juristische Texte, Genderkompetenz und selbstsicheres Auftreten von Bedeutung. Vor großen Gruppen zu sprechen, auch das gehört zur Jobbeschreibung.

Hin und wieder möchten sich Freunde und Bekannte von Elena trauen lassen. Das ist grundsätzlich kein Problem. „Dann ist der persönliche Bezug natürlich wesentlich größer und ich aufgeregter“, erzählt die Standesbeamtin und lacht. „Wie bei meiner ersten Trauung.“

Text: Christoph Dierking

FAQ: Standesbeamt*in werden

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Wer als Standesbeamt*in arbeiten möchte, muss eine Ausbildung oder ein Studium in der öffentlichen Verwaltung absolviert haben.

Weiterhin ist ein erfolgreich abgeschlossener Lehrgang erforderlich, der das relevante Wissen für die Arbeit im Standesamt vermittelt.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Standesbeamt*in?

Eine Ausbildung beziehungsweise ein (duales) Studium im öffentlichen Dienst dauert in der Regel drei Jahre.

Der Lehrgang, der für die Tätigkeit im Standesamt qualifiziert, dauert meist zwei Wochen.

Wo findet die Ausbildung statt?

Der Lehrgang findet bei der Akademie für Personenstandswesen statt (Bad Salzschlirf).

Was sind zentrale Ausbildungsinhalte?

Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Eheschließungsrecht, Namensrecht, Kommunikationstechniken sowie das Schreiben von Trauansprachen.

Was verdienen Standesbeamt*innen?

Standesbeamt*innen im gehobenen Dienst steigen in der Regel mit einer A10-Besoldung ein.

Die aktuellen Besoldungstabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.

Welche Karriereoptionen bieten sich mir im Standesamt?

Standesbeamt*innen sind bei der Ausübung ihrer Kernaufgaben anders als andere Beamtinnen und Beamte nicht weisungsgebunden – klassische Aufstiegsmöglichkeiten und Führungsaufgaben gibt es im Standesamt entsprechend nicht, lediglich mit Blick auf Personalplanung.

Wo finde ich weitere Informationen?

Alle, die sich für eine Ausbildung oder ein duales Studium in der Verwaltung interessieren, finden weitere Informationen in den Karriereportalen sämtlicher Städte und Kommunen, hier exemplarisch für die Stadt Köln.

Informationen zum Standesamt-Lehrgang bietet die Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf.