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70 Jahre dbb jugendStudienergebnisse aus dem Jahr 1982, unter dem Titel „Traumschiff Beruf“ aufgebreitet: Die „gerechte Behandlung“ stand bei den erwünschten Vorgesetzten-Eigenschaften auf dem ersten Platz. Foto: dbb jugend
Aus dem Archiv Was jungen Beschäftigten im Jahr 1982 wichtig war
Kriterien auswählen, die ihnen für die Ausbildung am wichtigsten sind – das haben junge Menschen für eine Studie getan, die das Magazin „Der junge Beamte“ im Jahr 1982 veröffentlich hat. Manches überrascht.
Quelle: DER JUNGE BEAMTE 3/82, Seite 14
Schlusslicht: Günstige Regelung der Arbeitszeit
Verbunden mit der Frage „Was ist Ihnen bei der Ausbildung Ihres Berufs besonders wichtig?“ sollten Schulabgänger (Abiturienten, Realschüler) die für sie wichtigsten vier Kriterien von neun vorgegeben bezeichnen: den Befragten waren die „interessante Tätigkeit“ und die „angenehme Zusammenarbeit mit den Kollegen“ weitaus das wichtigste; „leistungsgerechte Bezahlung“, „gute Sozialeinrichtungen“ und „günstige Regelung der Arbeitszeit“ nahmen dagegen die letzten drei Ränge ein. Zu diesen Ergebnissen gelangte eine Untersuchung von Wolff/Göschel.*
Die dbb jugend feiert 2026 ihr 70-jähriges Bestehen – gegründet hat sich die gewerkschaftliche Jugendorganisation am 2. und 3. November 1956. #staatklar blickt zurück und veröffentlicht Artikel aus den Mitgliedsmagazinen der vergangenen sieben Jahrzehnte, darunter „Der junge Beamte“ und „Betreff“.
Dabei mag besonders überraschen, daß der Wunsch nach „leistungsgerechter Bezahlung“ nur von 30 Prozent als eines der vier wichtigsten Kriterien genannt wurde. Eine Parallelbefragung von Führungskräften (Vorgesetzten, Ausbildern) spiegelt eine gravierende Fehleinschätzung wider: 84 Prozent erwarteten, daß Berufsanfänger die „leistungsgerechte Bezahlung“ bei der Ausübung des Berufs für besonders wichtig ansehen würden.
Mit einem vierten Rang unter den neun Kriterien hat der „gute Vorgesetzte“ bei den Berufsanfängern einen immerhin noch überdurchschnittlichen Wert. Die „gerechte Behandlung“ nimmt nach wie vor unangefochten den ersten Platz bei den erwünschten Eigenschaften eines Vorgesetzten ein. Die Erwartungen in dieser Beziehung sind hoch … Ungerechte Behandlung wird ja gerade in diesem Alter besonders schmerzlich empfunden. Dieser Frage sollten daher Ausbilder und Vorgesetzte besondere Beachtung schenken.
Leistungen wegen Unachtsamkeit nicht anerkannt
Eng verknüpft mit der „gerechten Behandlung“ durch den Vorgesetzten ist die „Anerkennung der Leistung“. Das Selbstwertgefühl eines jungen Menschen wird empfindlich getroffen, wenn gerade in dem Lebensabschnitt, in dem er um seine eigene Identität ringt und das Erfolgserlebnis sucht, ihm dieses verweigert wird. Gerade dieses wichtige Grundbedürfnis eines jeden Menschen wird oft – wenn auch aus Unachtsamkeit – übersehen – so Wolff/Göschel.
Immerhin ein Drittel aller befragten Berufsanfänger bevorzugte beim Vorgesetzten einen autoritären Führungsstil; zwar neigen nur 2,2 Prozent einem „reinen autoritären Führungsstil“ zu, aber 31,4 Prozent stimmten für den Vorgesetzten-Typ, der „gewöhnlich sofort Entscheidungen trifft, aber vor der Ausführung versucht er, sie seinen Untergebenen ausführlich zu erklären. Er erläutert ihnen die Gründe für seine Entscheidung und beantwortet alle Fragen, die damit im Zusammenhang stehen.“
66,4 Prozent der Berufsanfänger entschieden sich für einen „partnerschaftlich, kooperativen Führungsstil“ – wohl verhältnismäßig erheblich mehr als in der Praxis Vorgesetzten-Typen dieser Art anzutreffen sind. Daraus die Forderung abzuleiten, die praktizierten Führungsstile müßten den Erwartungen der Berufsanfänger angepaßt werden, mag zu weit gehen. Richtig jedoch ist zweifellos, daß größere Differenzen zwischen den Erwartungen und der täglichen Führungspraxis zu Konflikten und Reibungsverlusten führen und deshalb zu überdenken sind.
68 Prozent haben keine Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf
Auch Wolff/Göschel haben festgestellt, daß Mehrfach-Bewerbungen bei Schulabgängern die Regel sind. Die Frage, ob mehrere Bewerbungen von ihnen eingereicht wurden, wurde „in den letzten Jahren fast ausnahmslos ohne Zögern mit einem überzeugten Ja beantwortet. 10 bis 15 Bewerbungen bei den verschiedensten potentiellen Arbeitgebern sind schon fast die Regel.“
Als Ursachen für die Mehrfach-Bewerbungen sehen auch Wolff/Göschel nicht nur die Arbeitsplatzsituation, sondern auch die Tatsache, „daß der Anteil derjenigen, die noch keine feste Berufsvorstellung haben, recht hoch ist.“ Das Institut für Jugendforschung ermittelte, daß 68 Prozent der Oberschüler keine eindeutigen Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf haben, daß dabei 24 Prozent sogar ausgesprochen unsicher waren.
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Daß bei vielen Schülern die Initiative und das Interesse daran, sich über den angestrebten Beruf, erst recht über Alternativen ausführlich zu informieren, gering sind, läßt sich wohl auch daraus ablesen, daß der Einfluß auf die Berufsfindung durch Berufsberater und Lehrer nur selten durchschlägt. Die meisten gaben gegenüber dem Institut für Jugendforschung an, daß ihnen die Eltern und Freunde die wertvollsten Ratschläge geben, also Personen, die kaum objektiv und oft nur begrenzt urteilsfähig sind.
Das Wissen über berufliche Erwartungen, Hoffnungen und Vorkenntnisse von Berufsanfängern ist für die Ausbildung und deshalb für die Vorgesetzten, die Ausbilder und die Lehrer elementar – nicht um sich daraufhin in jeder Hinsicht opportunistisch anzupassen, sondern um dieses alles zu berücksichtigen, also um es zu übernehmen oder dem zu begegnen. Ignoranz wäre in jedem Falle schädlich. Es scheint jedoch diesbezüglich noch viel Ignoranz – Unkenntnis und Desinteresse – zu geben. Hier bleibt für die Vorgesetzten und Ausbilder und somit insbesondere auch in der Ausbildung der Ausbilder ein weites und wichtiges Aufgabenfeld.
Text: Joseph Fromme
* Georg Wolff/Gesine Göschel in VOP „Verwaltungsführung, Organisation, Personalwesen“ 6/1981 (Fachverlag für Büro- und Organisationstechnik Göller GmbH, 7570 Baden-Baden)