• Foto zum Thema "Dänemark EU-Ratspräsidentschaft": Zu sehen ist eine Collage aus dänischer und europäischer Flagge.
    Sicherheit und grüne Transformation: Unter anderem diese Themen standen auf der Tagesordnung der dänischen EU-Ratspräsidentschaft. Foto: Marian Vejcik/Colourbox

AG Europa Dänische EU-Ratspräsidentschaft: Rückblick und Fazit

Dänemark hat im zweiten Halbjahr 2025 die EU-Ratspräsidentschaft innegehabt. Geopolitische Herausforderungen prägten die Amtszeit.

Die EU-Ratspräsidentschaft wechselt alle sechs Monate – vom 1. Juli bis 31. Dezember 2025 war Dänemark am Zug. 

Der Rat der Europäischen Union, auch Ministerrat genannt, ist neben dem Europarlament der zweite Teil der EU-Legislative und damit ebenfalls mit Gesetzgebung und Haushalt befasst. Es gibt keine festen Mitglieder. Wer teilnimmt, hängt davon ab, welches Thema auf Tagesordnung steht. Geht es um Außenpolitik, tagen die Außenminister*innen der EU-Mitgliedstaaten. Und geht es um Inneres, die Innenminister*innen.

In einer Phase erheblicher geopolitischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen stand die dänische EU-Ratspräsidentschaft vor der Aufgabe, zwischen unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten zu vermitteln und zugleich zentrale politische Projekte voranzubringen. Insgesamt setzte Dänemark auf einen pragmatischen und sachorientierten Ansatz, der auf Stabilität, Sicherheit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union abzielte.

Drei Schwerpunkte prägen dänische Ratspräsidentschaft

Im Mittelpunkt der Präsidentschaft standen drei übergeordnete Schwerpunkte: Sicherheit und Migration, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sowie die grüne Transformation. Diese Prioritäten spiegelten sowohl die aktuellen Krisenlagen als auch die langfristigen strategischen Zielsetzungen der EU wider. Dänemark verfolgte dabei das Ziel, bestehende Reformvorhaben konsequent umzusetzen, statt neue Großprojekte anzustoßen.

Sicherheits- und Migrationspolitik. Die dänische Präsidentschaft konzentrierte sich insbesondere auf die praktische Umsetzung des bereits beschlossenen EU-Asyl- und Migrationspakts. Fortschritte erzielte die EU bei der Harmonisierung von Asylverfahren, der Festlegung sicherer Herkunftsstaaten sowie bei Maßnahmen zur effizienteren Rückführung abgelehnter Asylbewerber. Gleichzeitig vertiefte sie die Zusammenarbeit mit Drittstaaten, um irreguläre Migration besser zu steuern. Kritisch diskutiert blieb jedoch die Balance zwischen Grenzschutz, humanitären Verpflichtungen und nationalen Spielräumen.

Auch die innere Sicherheit spielte eine wichtige Rolle. Dänemark trieb Initiativen zur Stärkung der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit voran, unter anderem im Kampf gegen organisierte Kriminalität und grenzüberschreitende Bedrohungen. Es erfolgten Bemühungen, die Krisen- und Verteidigungsfähigkeit der EU weiter auszubauen.

Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit und Digitalisierung. Dänemark setzte sich für den Abbau bürokratischer Hürden und bessere Bedingungen für Unternehmen ein, vor allem für kleine und mittlere Betriebe. Ziel war es, Investitionen zu erleichtern und Europas Position im globalen Wettbewerb zu stärken. Dabei erzielte die Europäische Union Fortschritte bei der Regulierung digitaler Märkte und Finanzdienstleistungen. Themen wie künstliche Intelligenz, digitale Zahlungssysteme und die Vertiefung des Binnenmarktes standen im Fokus.

Grüne Transformation. Dänemark, selbst Vorreiter in der Klima- und Energiepolitik, setzte sich dafür ein, die europäischen Klimaziele weiter zu konkretisieren. Im Vordergrund standen Verhandlungen über den langfristigen Klimazielrahmen der EU sowie über Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende. Dabei wurde deutlich, dass zwischen den Mitgliedstaaten weiterhin unterschiedliche Auffassungen über Tempo, Kostenverteilung und Flexibilität bestehen. Dennoch gelang es, den grundsätzlichen Kurs der EU in Richtung Klimaneutralität zu bestätigen.

Der Rat der Europäischen Union wird gelegentlich mit dem Europäischen Rat verwechselt – dieser ist jedoch ein eigenständiges Gremium, in dem sich die Regierungsspitzen der Mitgliedstaaten austauschen, die Leitlinien für die europäische Zusammenarbeit abstimmen und bei strittigen Fragen Kompromisse erarbeiten.

Dänische EU-Ratspräsidentschaft: Sachlichkeit statt Show

Neben inhaltlichen Erfolgen setzte Dänemark auch auf eine eher zurückhaltende Präsidentschaftsführung. Große politische Inszenierungen blieben aus; stattdessen lag der Fokus auf effizienter Moderation und dem Erreichen tragfähiger Kompromisse. Diese Vorgehensweise bewerteten viele Beobachter als sachlich und verlässlich, auch wenn sie weniger öffentlichkeitswirksam war.

Am Ende der sechs Monate lässt sich festhalten, dass die dänische EU-Ratspräsidentschaft keine tiefgreifenden politischen Durchbrüche brachte, wohl aber wichtige Prozesse stabilisierte und vorantrieb. In einem komplexen politischen Umfeld gelang es, Fortschritte in zentralen Politikfeldern zu erzielen und offene Konflikte zumindest einzugrenzen.

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Dänemark hat seine EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2025 als solide Arbeitspräsidentschaft genutzt. Sie war geprägt von Pragmatismus, Kontinuität und dem Bemühen, die Europäische Union handlungsfähig zu halten. Die erzielten Ergebnisse bilden eine belastbare Grundlage für die nachfolgenden Präsidentschaften, auch wenn viele strukturelle Herausforderungen weiterhin ungelöst bleiben.

Am 1. Januar 2026 hat Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernommen.

Text: AG Europa