Christoph ist Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr Wuppertal – und Fahrlehrer. Der Spaß im Job kommt nicht zu kurz.
Zum FAQ: Wie wird man Feuerwehrmann / -frau?
Einparken, die Fahrschülerin vergisst, den Blinker zu setzen. Christoph öffnet das Fenster, steckt den Kopf heraus und ruft: „Achtung, wir wollen hier parken, zeigen das aber nicht an!“
Das Spiel wiederholt sich. Schließlich setzt die Fahrschülerin den Blinker, sobald der Fahrlehrer das Fenster hinunterlässt. Rufen muss er nicht mehr.
Es sind Szenen wie diese, an die sich Christoph Mogge gerne zurückerinnert. Sechs Jahre hat er in einer klassischen Fahrschule gearbeitet. Heute bringt er angehenden Feuerwehrleuten in Wuppertal bei, wie sie die Einsatzfahrzeuge schnell und sicher zum Einsatzort steuern. Theoretisch kann es passieren, dass die Leitstelle das Fahrschulfahrzeug während der Fahrstunde anfordert. „Wenn der Anwärter es sich zutraut und ich ihm das zutraue, übernimmt er direkt die Fahrt“, erzählt der 36-Jährige, der zur Not über die zusätzlichen Pedale vor dem Beifahrersitz eingreifen kann.
Die Feuerwehr ist der dritte Beruf, den Christoph gelernt hat. Nach der Schule macht er zunächst eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Die Technik fasziniert ihn, doch das Soziale kommt zu kurz. Deshalb entscheidet er sich, eine weitere Ausbildung zum Fahrlehrer zu machen. Er besucht Lehrgänge, die ihn befähigen, für die Fahrzeugklassen A, BE und CE auszubilden: Motorrad, PKW und LKW. Besonders schätzt er die Zusammenarbeit mit anderen jungen Menschen. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Bei der Feuerwehr ist der LKW-Führerschein Voraussetzung, um die Laufbahnprüfung zu bestehen. Den hatte der gebürtige Bochumer bereits in der Tasche, als er sich entschied, zur Feuerwehr zu gehen. Warum der Wechsel? „Feuerwehrmann ist einfach ein cooler Job. Man hilft Menschen in Notlagen, verfügt über ein umfassendes technisches Wissen und hat im Prinzip eine zweite Familie auf der Wache.“
Was war dein erstes Feuer? Diese Frage können wahrscheinlich alle Feuerwehrleute beantworten, sagt Christoph. In seinem Fall war es ein brennender PKW.
Ich war vor meinem ersten Feuer als Maschinist sehr aufgeregt, das geht vielen so.
Christoph über den Jobeinstieg
Ihren Dienst leisten die Feuerwehrleute in Wuppertal in 24-Stunden-Schichten. Wenn keine Einsätze anstehen, haben sie Übungsdienst, treiben Sport und essen gemeinsam; mitunter findet sich Zeit für eine Partie Billard. Zu jeder Schicht gehört auch der Arbeitsdienst. „Mein Arbeitsdienst ist die Fahrschule“, berichtet Christoph. Alle, die sich in der Ausbildung befinden, absolvieren den praktischen Teil während des regulären Betriebs. Sie lernen die Geräte kennen, fahren mit zu den Einsätzen – und nehmen Fahrstunden.
Wer hinter dem Steuer sitzt, muss viel beherrschen. Wichtig ist, ein Gefühl fürs Fahrzeug zu entwickeln: Das enorme Gewicht verlängert den Bremsweg; die Breite der Aufbauten, beispielsweise die Drehleiter, muss stets mitbedacht werden. „Das kann vor allem in engen Straßen, wo man mit einem LKW normalerweise nie hereinfahren würde, eine große Herausforderung sein“, unterstreicht der Fahrlehrer. Dasselbe gilt für Staus. Wenn die Situation auf dem Zufahrtsweg unklar ist, kann die Leitstelle die Anfahrt aus verschiedenen Richtungen anordnen. Üblich ist auch, dass ein Leitfahrzeug vorfährt und die Situation erkundet. „Das kostet Zeit, aber noch mehr Zeit kostet es, wenn wir mit den großen Einsatzfahrzeugen feststecken.“
Ausweichen, Slalom fahren, auf nasser Fahrbahn bremsen: All das trainieren angehende Feuerwehrleute bei speziellen Fahrsicherheitstrainings auf Übungsplätzen. Ebenfalls von Bedeutung: die Fähigkeit, sofort zu funktionieren – auch, wenn man nachts um drei aus dem Bett gerissen wird.
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Im Einsatz gehört das Lenken der Fahrzeuge zur Aufgabe des Maschinisten, der auch für den Zustand des Fahrzeuges insgesamt verantwortlich ist. Er prüft, ob die Technik funktioniert und übernimmt vor Ort die Bedienung der Pumpe, die Herausgabe der Geräte, die Atemschutzüberwachung und gegebenenfalls auch das Einrichten der Wasserversorgung. „Ich war vor meinem ersten Feuer als Maschinist sehr aufgeregt, das geht vielen so“, erinnert sich Christoph. „Aber es hat alles geklappt, das hat mir Sicherheit gegeben.“
Worauf es allgemein bei der Feuerwehr ankommt? Gefragt sind vor allem Teamgeist, psychische Belastbarkeit, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis. „In meinem Fall spielen natürlich auch eine gute Kommunikation und pädagogisches Wissen eine Rolle“, sagt der Hauptbrandmeister. Übrigens: Abgeschlossen wird die Fahrausbildung bei der Feuerwehr ebenfalls mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung durch den TÜV – wie in einer klassischen Fahrschule.
Text: Christoph Dierking
Die Zugangsvoraussetzungen können sich je nach Stadt und Kommune unterscheiden. In der Regel ist ein Hauptschulabschluss erforderlich, außerdem eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Bereich, der für die Feuerwehr förderlich ist. Zentral ist vor allem auch die gesundheitliche Eignung, darunter die Atemschutztauglichkeit. Gegebenenfalls gelten Altersgrenzen, manchmal gehören auch der Führerschein der Klasse B und das deutsche Schwimmabzeichen in Bronze zu den Zugangsvoraussetzungen.
Die Ausbildung dauert in der Regel 18 Monate.
Das Löschen von Bränden, der Umgang mit sämtlichen Geräten, Fahrzeugkunde und Einsatzlehre, darüber hinaus der Lkw-Führerschein Klasse C, Baukunde, Strahlenschutz und Wärmelehre – all das gehört zu den Ausbildungsinhalten. Hinzu kommt in der Regel eine Ausbildung im Rettungsdienst und im Rettungsschwimmen.
Oft gibt es sogenannte Feuerwehrschulen oder -akademien, die an Wachen angegliedert sind. Dort findet die Grundausbildung statt. Weitere Unterrichtseinheiten absolvieren die Anwärter*innen in der Berufsschule, außerdem Praktika auf dem Rettungswagen und im Krankenhaus.
Feuerwehrleute im mittleren Dienst mit dem Dienstgrad „Brandmeister“ beziehungsweise „Brandmeisterin“ steigen in der Regel mit einer A7-Besoldung ein.
Die aktuellen Besoldungstabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.
Wer die Karriereleiter aufsteigen möchte, kann als Oberbrandmeister Verantwortung übernehmen und einen Trupp führen. Hauptbrandmeister*innen übernehmen Aufgaben in der Ausbildung.
Der gehobene Dienst geht bei der Feuerwehr mit Bürotätigkeiten einher, darunter Qualitätsmanagement und Sachgebietsleitungen. Zudem erfolgt die übergeordnete Einsatzkoordination vor Ort in der Regel durch Beschäftigte im gehobenen Dienst.
Jede Stadt und jede Kommune muss eine leistungsstarke Feuerwehr haben, die den Gegebenheiten vor Ort gerecht wird. Daraus können sich interessante Fortbildungsmöglichkeiten ergeben, etwa für die Taucherstaffel, den Bauzug, der auf Notlagen im Tiefbau spezialisiert ist, oder den Gefahrgutzug. Außerdem stellt die Feuerwehr mitunter Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, die im Rettungshubschrauber mitfliegen.