• Jan Hebig, Verwaltungswirt, Job-Kompass
    Jan Hebig ist Verwaltungswirt und arbeitet im Ordnungsamt Wuppertal. Foto: Privat

Jobkompass: der Verwaltungswirt

Einsam Verstorbenen eine würdige Bestattung ermöglichen

Jan Hebig ist Verwaltungswirt im Ordnungsamt Wuppertal und hat täglich mit Sterbefällen zu tun. Warum er in seinem Job trotzdem eine große Erfüllung sieht.

Um 8 Uhr beginnt die Sprechzeit: Ein Bestatter steht schon in der Tür und ruft „Leichenpass!“. Den gibt es nur, wenn Ärzte bei der Leichenschau keine Auffälligkeiten feststellen, die auf eine unnatürliche Todesursache schließen lassen. Der Bestatter braucht das Dokument, um einen verstorbenen Menschen zu überführen, der im Ausland seine letzte Ruhe finden soll. Doch die Beschäftigten in dem Büro kümmern sich nicht bloß um Leichenpässe: Sie ermitteln vor allem Angehörige von Verstorbenen und leiten – sofern erforderlich – eine Beisetzung für alle in die Wege, die keine Angehörigen mehr haben. Meistens handelt es sich um Senioren, die alleine leben, oft auch um Obdachlose und Suchtkranke.

Das Büro befindet sich im Ordnungsamt Wuppertal. Zum Team gehört Jan Hebig, 29 Jahre alt, Verwaltungswirt im mittleren Dienst. Seit Mai 2023 arbeitet er in der Abteilung „Allgemeine Gefahrenabwehr und ordnungsbehördliche Bestattungen“ und setzt das Bestattungsgesetz durch. Dieses sieht unter anderem vor, dass Verstorbene zehn Tage nach Feststellung des Todes beigesetzt oder eingeäschert werden müssen. „Zumindest ist das die Regel“, erklärt der Beamte. „Natürlich gibt es Ausnahmen, die in bestimmten Fällen greifen.“ Zum Beispiel, wenn polizeiliche Ermittlungen zur Todesursache anstehen. Oder Angehörige weit weg wohnen und es nicht rechtzeitig schaffen würden, bei der Trauerfeier vor Ort zu sein. Das Amt kann höchstens Fristverlängerungen von weiteren fünf Tagen genehmigen.

Viel ausprobiert, in der Stadtverwaltung angekommen

Der gebürtige Wuppertaler hat über Umwege in den Job gefunden. „Ich wusste lange nicht genau, wohin die Reise gehen soll“, sagt er. An Motivation mangelte es jedoch zu keinem Zeitpunkt: Als junger Mensch biss sich Hebig von der Hauptschule über die Realschule bis zum Abitur durch, machte eine Ausbildung zum technischen Assistenten. Dann studierte er Wirtschaftswissenschaften und Elektrotechnik, arbeitete nebenbei als Werkstudent. Schließlich lernte er seine heutige Frau kennen. „Und dann war ich plötzlich in einer Phase, in der berufliche Sicherheit ein Thema wurde.“ Diese Sicherheit sieht Hebig im öffentlichen Dienst gegeben: Er bewirbt sich bei der Stadt für die Ausbildung zum Verwaltungswirt, bekommt die Zusage und bricht das Studium ab. „Rückblickend war das für mich absolut die richtige Entscheidung.“

Es ist natürlich nicht einfach, wenn man weinende und geschockte Menschen am Telefon hat. Jan Hebig über den Umgang mit schwierigen Situationen im Job

Wenn nicht gerade ein Bestatter in der Tür steht, klingelt das Telefon; regelmäßig trudeln neue Mails ein. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Polizei melden Verstorbene, bei denen unklar ist, ob es noch Angehörige gibt. Hebigs Aufgabe ist es, dieser Frage nachzugehen. Meistens liefern Meldeportale, Geburtenregister und Heiratsbücher entscheidende Hinweise, gegebenenfalls aber auch Suchmaschinen und Soziale Medien. „Das muss man sich ein bisschen wie Detektivarbeit vorstellen.“ Wenn er nicht fündig wird, leitet er eine Bestattung auf Staatskosten in die Wege. Und wenn er fündig wird, muss er – je nach Situation – Kinder, Eltern und Eheleute über den Todesfall informieren. „Ich weiß nie, welche Geschichte dahintersteckt. Entsprechend kann sich das Gespräch in alle Richtungen entwickeln.“

Empathie ist ein Muss

Ein mögliches Szenario: Hebig übermittelt Eltern die Nachricht vom Tod ihres Kindes, zu dem es über Jahre keinen Kontakt mehr gegeben hat. „Es ist natürlich nicht einfach, wenn man weinende und geschockte Menschen am Telefon hat. In solchen Fällen nehmen wir uns viel Zeit und helfen dabei, offene Fragen zu klären.“ Aber es kann auch ganz anders kommen. Etwa, wenn uneheliche Kinder, die nie Kontakt zu dem verstorbenen Elternteil hatten, die übermittelte Botschaft nüchtern mit einem „Ach, mein Erzeuger ist tot“ quittieren.

Egal, welches Szenario vorliegt: Es geht immer auch um die Bestattungskosten. Laut Gesetz müssen die Bestattungspflichtigen diese tragen, auch wenn sich das Ordnungsamt kümmert – das nennt man Ersatzvornahme. Dabei bleiben Konflikte nicht aus. Bei zerrütteten Familienverhältnissen sehen es Angehörige oft nicht ein, für den Verstorbenen zu zahlen. „Aber das entbindet nicht von der Bestattungspflicht“, erklärt der Beamte. Allerdings gibt es Ausnahmen: „Erwachsene, deren verstorbener Elternteil nie für sie da war, nie Unterhalt gezahlt oder sie möglicherweise in der Kindheit misshandelt hat, können von der Pflicht befreit werden.“

Bei Konflikten ist es für das Ordnungsamt immer hilfreich, wenn sich die Betroffenen trotz der schwierigen Situation kooperativ zeigen: Es kommt vor, dass Angehörige einfach einen hohen Geldbetrag für die Bestattung überweisen, das Thema als erledigt betrachten und in Ruhe gelassen werden wollen. „Aber wir können das Restgeld ja nicht einfach behalten“, unterstreicht Hebig. Die Behörde ist grundsätzlich verpflichtet, die kostengünstigste Bestattungsform zu beauftragen. Manchmal tritt auch der Fall ein, dass Geld fehlt: Für alle, die durch die Bestattungskosten in finanzielle Schwierigkeiten geraten, gibt es die Bestattungskostenbeihilfe.

Warum der Verwaltungswirt – trotz des nicht immer einfachen Themas – seinen Job sehr schätzt? „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man dafür sorgt, dass auch ein Obdachloser eine würdevolle Bestattung erhält. Oder dafür, dass eine alleinstehende Seniorin nicht einfach irgendwo, sondern neben ihrem Ehemann bestattet wird.“

Text: Christoph Dierking

FAQ: Verwaltungswirt*in werden

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung mitbringen?

Die Voraussetzungen können sich je nach Stadt und Kommune unterscheiden. Für die Beamtenlaufbahn im mittleren Dienst ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss oder die Fachhochschulreife Einstellungsvoraussetzung.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung ist in diesem Fall genau genommen der Vorbereitungsdienst – und der dauert in Vollzeit in der Regel zwei Jahre.

Was sind zentrale Ausbildungsinhalte?

Wer das Gesetz umsetzen will, muss es kennen: Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Staats- und Verfassungsrecht, Allgemeines Verwaltungsrecht, Beamten- und Zivilrecht.

Wo findet die Ausbildung statt?

Der theoretische Teil der Ausbildung findet meistens in städtischen und kommunalen Studieninstituten statt, der praktische Teil direkt in den Ordnungsämtern.

Was verdiene ich?

Wer die Ausbildung abgeschlossen hat, steigt – exemplarisch für die Stadt Wuppertal – mit der Besoldungsgruppe A6, Stufe 3, ein (Landesbesoldung).

Die aktuellen Besoldungstabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.

Welche Karrierechancen bieten sich mir nach der Ausbildung?

Wer die Karriereleiter aufsteigen möchte, kann Führungspositionen übernehmen, und sich innerhalb der Laufbahn weiterbilden.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen gibt’s bundesweit bei Städten und Kommunen – für Wuppertal exemplarisch bei Wuppertalent