• Fachangstellte*r in der Verwaltung werden? Ausbildung, Gehalt, Karriere: Der Job-Kompass von #staatklar liefert den Überblick.
    Im Außendienst auf den Straßen ist Sicherheitskleidung ein Muss: Julia Mayer ist Beamtin in der Verwaltung beim Regierungspräsidium Tübingen. Foto: Privat

Jobkompass: Die Verwaltungsbeamtin

Vom Bürgermeister-Studium ins Regierungspräsidium

Gefahren an Straßen beseitigen und dafür sorgen, dass sie gar nicht erst entstehen – das ist nur eine von vielen Aufgaben, die eine Verwaltungsbeamtin in Baden-Württemberg erledigt.

Jene 20 Meter, beiderseits der Fahrbahnränder an Bundes- und Landesstraßen: Für diese Flächen ist Julia Mayer zuständig. Was es dort zu regeln gibt? Allerhand, wenn es um die Sicherheit geht: Es muss gewährleistet sein, dass Photovoltaik-Anlagen in Straßennähe die Verkehrsteilnehmenden nicht blenden. Und bunt blinkende Werbeschilder dürfen nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit Gefahrensituationen verursachen.

Doch nicht nur in diesen Fällen wird Julia Mayer aktiv: Die 24-Jährige ist Verwaltungsbeamtin im Regierungspräsidium Tübingen in der Abteilung „Mobilität, Verkehr, Straßen“. In ihrem Referat – dem Referat Steuerung und Baufinanzen – laufen die Fäden zusammen, sobald es um Maßnahmen an Bundes- und Landesstraßen geht, an denen Dritte beteiligt sind. Das ist unter anderem der Fall, wenn eine Gemeinde außerhalb von Ortsdurchfahrten eine neue Zufahrt plant und wenn Anwohner*innen Geräteschuppen, Carports oder sonstige Bauvorhaben umsetzen möchten. „Es kann immer sein, dass an Bundes- und Landesstraßen perspektivisch Radwege ergänzt werden sollen“, erklärt die gebürtige Tübingerin. „Da ist es ungünstig, wenn plötzlich eine Garage im Weg steht.“ Aus diesem Grund gilt die magische Grenze von 20 Metern, die in der Regel jeweils links und rechts neben den Straßen freibleiben muss. „Im Zweifel ist es immer besser, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen, damit es später nicht zu bösen Überraschungen kommt.“

Messe stellt Weiche zum Beruf

Als Abiturientin hat Mayer nicht damit gerechnet, dass sie sich einmal intensiv mit Straßenrecht beschäftigen wird. In der Oberstufenzeit besucht sie die Bildungsmesse Neckar-Alb (binea) in Reutlingen, um sich über Studiengänge zu informieren. Ihr ist es wichtig, nicht einfach ins Blaue zu studieren, sondern konkret zu wissen, worauf sie hinarbeitet. „So richtig angesprochen hat mich erst nichts“, erinnert sie sich. Aber schließlich, kurz vor Ende der Messe, kommt er, der Aha-Moment: Eine junge Frau, die „Public Management“ studiert hat, schildert ihre Erfahrungen. Sie berichtet von den Praxisphasen und dem vielfältigen Lehrplan, auf dem unter anderem Recht, Wirtschaft, öffentliche Finanzen, Politik und Personalmanagement stehen. „Es hat Klick gemacht und ich wusste sofort, dass dies für mich das Richtige ist.“

Gesagt, getan: Mayer bewirbt sich, besteht die Aufnahmeprüfung für das duale Studium und eignet sich an der Hochschule in Ludwigsburg das Handwerkzeug der Verwaltung an. „Intern wird der Studiengang auch als Bürgermeister-Studium bezeichnet, weil er alle hierfür notwendigen Kompetenzen vermittelt“, erzählt die Beamtin im gehobenen Dienst. In Anbetracht der Tatsache, dass es vor allem in ländlichen Gebieten immer weniger Menschen gibt, die dieses Amt übernehmen wollen, ist das tatsächlich eine Job-Option. Aber darüber hinaus stehen viele weitere Optionen offen: „Wer das Studium erfolgreich abschließt, ist als Allrounder breit aufgestellt und kann in den unterschiedlichsten Fachabteilungen sämtlicher Verwaltungen arbeiten.“

Die Sache mit der Sicherheitskleidung

Nach dem Studium zieht es Mayer zurück nach Tübingen, wo Familie und Freunde wohnen. Seit 2021 arbeitet sie für das Regierungspräsidium – so heißen in Baden-Württemberg die staatlichen Mittelbehörden, die in bestimmten Bezirken als Schnittstelle zwischen Landesministerien und der unteren Verwaltungsebene mit Landrats- und Bürgermeisterämtern agieren. Mayers Zuständigkeitsbereich: die Landkreise Sigmaringen, Ravensburg und der Bodenseekreis. Wenn offene Fragen bestehen, fährt sie raus und macht sich vor Ort ein Bild. Oft mit Sachverständigen, die über technisches Spezialwissen verfügen – zum Beispiel, wenn es um die Beurteilung der Frage geht, ob eine Photovoltaik-Anlage die Verkehrssicherheit gefährdet. Apropos Sicherheit: Wer an der Straße arbeitet, muss entsprechende Sicherheitskleidung tragen. „An die musste ich mich erstmal gewöhnen“, sagt Mayer und lacht. Inzwischen hat sie sich jedoch mit dem knalligen Orange und den Reflektoren ihrer Jacke angefreundet.

Welche Fähigkeiten im Berufsalltag gefragt sind? Für Mayer ist Kontaktfreude zentral. „Ich habe im Alltag mit vielen Menschen zu tun, vom Antragssteller bis zum Bürgermeister.“ Entscheidend ist auch die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Denn Gesetze und Vorschriften, die den rechtlichen Rahmen vorgeben, ändern sich gelegentlich. Und welche Momente der Beamtin im Job besonders gefallen? „Wenn ich Menschen positive Entscheidungen mitteilen kann, zum Beispiel, dass sie eine Zufahrtsstraße umsetzen können. Oder wenn ich an fertiggestellten Projekten vorbeifahre, an denen ich beteiligt war. Da sieht man direkt die Früchte der eigenen Arbeit.“

Text: Christoph Dierking

FAQ: Beamt*in in der Verwaltung werden

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung mitbringen?

Die Zugangsvoraussetzungen für den Studiengang „Public Management“ können sich je nach Bundesland unterscheiden. In der Regel ist eine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich, hinzu kommt das Bestehen einer Aufnahmeprüfung.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Das duale Bachelor-Studium umfasst in der Regel sechs Semester und dauert drei Jahre.

Was sind zentrale Ausbildungsinhalte?

Auf dem Lehrplan stehen Recht, Betriebswirtschaftslehre, Finanzen, Management und Sozialwissenschaften. Hinzu kommen Praktika, die direkt in Behörden stattfinden.

Wo findet die Ausbildung statt?

Hochschulen der öffentlichen Verwaltung der Länder gibt es in jedem Bundesland. In Baden-Württemberg befinden sie sich in Ludwigsburg und Kehl. Praktika finden direkt in den Behörden statt; mitunter sogar im Ausland, beispielsweise in Brüssel.

Was verdiene ich?

Wer ein duales Studium absolviert hat und als Beamt*in auf Probe in den Beruf einsteigt, wird in der Regel in die Besoldungsstufe A10 eingruppiert.

Die aktuellen Besoldungstabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion (dbb).

Welche Karrierechancen bieten sich mir nach der Ausbildung?

Mobilität, Digitalisierung, Sicherheit – in fachlicher Hinsicht haben Verwaltungsbeamt*innen so viele Optionen, wie es Behörden gibt. Es besteht die Möglichkeit, Führungspositionen zu übernehmen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen gibt es bei den Hochschulen der öffentlichen Verwaltungen in den Bundesländern – exemplarisch für Baden-Württemberg bei der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.