• Foto zum Thema "kommunale Baumpflege": Zu sehen ist Amina, die für die Stadt Essen in der kommunalen Baumpflege arbeitet.
    Jobkompass
    Amina ist studierte Forstwissenschaftlerin. Foto: Stadt Essen

Kommunale Baumpflege Die Bäume in der Stadt erhalten

Amina ist Sachbearbeiterin für Baumpflege in Essen. An ihrem Job schätzt sie vor allem die Begegnungen mit den Menschen in der Stadt.

Der Arbeiter steht oben auf der Hebebühne, setzt die Motorsäge an, der Ast trudelt in die Tiefe. Plötzlich tritt eine Frau an den abgesperrten Bereich heran. „Warum fällen Sie den Baum, das geht ja mal gar nicht!“, empört sie sich. „Keine Sorge“, antwortet Amina. „Der Baum bekommt nur eine neue Frisur!“

Die Frau entspannt sich – es folgt ein lockerer Plausch über Baumschnitte. Klar, es gibt auch Fälle, in denen sich das Baumfällen nicht vermeiden lässt. Zum Beispiel, wenn der Baum fault und ein Sicherheitsrisiko darstellt, berichtet Amina Gabela-Bejtic. Die 31-Jährige ist studierte Forstwissenschaftlerin und Sachbearbeiterin in der Baumpflege der Stadt Essen. „Ich kann meinen Job nicht erklären, ohne alles zu erklären“, sagt sie und lacht.

Alles beginnt mit der Baumkontrolle. Beschäftigte des Baumsachgebiets sind in der gesamten Stadt unterwegs, in den Parks, an den Straßen, auf Schulhöfen – eben überall dort, wo Bäume stehen. Wie sieht es mit der Vitalität aus? In welchem Zustand befinden sich Stamm und Krone? Lassen sich Schädlinge erkennen? Und gibt es Totholz, das herunterfallen könnte, zum Beispiel auf Straßen, Park- oder Spielplätze? Alle Beobachtungen speichern die Baumbegutachter*innen über ihre Tablets im digitalen Baumkataster der Stadt, eine Datenbank mit mehr als 200.000 Bäumen. „Dann kommen mein Team und ich ins Spiel“, erklärt Amina. „Wir bearbeiten alles, was reinkommt.“

Ein Kollege vergibt die Aufträge für Bäume, die gefällt werden müssen. Der nächste kümmert sich um Neupflanzungen, denn für jeden gefällten Baum muss ein neuer her. Und wiederum ein anderer Kollege verwaltet die Fälle, bei denen der Einsatz des Hubsteigers nicht möglich ist – zum Beispiel, weil der Baum auf einer nicht befahrbaren Fläche steht oder die Zufahrt zu eng ist. Dann sind professionelle Kletterer gefragt. Einen Großteil der Aufträge vergibt das Team an externe Baumpflegeunternehmen, weil die internen Kapazitäten begrenzt sind. „Ich kümmere mich um bestimmte Aufträge, die Bäume auf Schulhöfen und Kita-Spielplätzen betreffen“, erzählt Amina. Viel Arbeitszeit investiert sie auch ins Straßengrün – dort geht es vor allem darum, Gefahren durch herabfallende Äste einzudämmen.

Es wird immer schwieriger, die Bäume gesund zu erhalten.

Amina über die Folgen des Klimawandels

Von Sarajevo nach Essen

Amina stammt gebürtig aus Bosnien; aufgewachsen ist sie in Sarajevo, wo sie Forstwissenschaft studiert hat. Auslandssemester führen sie nach Polen und Italien. Im Nebenjob schreibt die damalige Studentin für ein Jagdmagazin und unterstützt die Arbeit einer Nichtregierungsorganisation. Unter anderem weil die Jobaussichten besser sind, beschließt sie, nach Deutschland auszuwandern. Im Sommer 2022 wagt sie den Schritt, zieht nach Essen und besucht einen Intensivkurs, um Deutsch zu lernen. Sprachliche Vorkenntnisse hat sie nicht: „Ich habe von Null angefangen.“

Im Sommer 2025 startet die Forstwissenschaftlerin in der Baumpflege durch und erlebt einen Perspektivwechsel: „In den Wäldern betrachtet man immer das gesamte Ökosystem, aber in der Stadt steht viel stärker der einzelne Baum im Fokus“, erzählt Amina. Und die städtischen Bäume haben es schwer: Abgase, versiegelte Flächen und Streusalzrückstände im Boden sind große Belastungen. Hinzu kommen der begrenzte Wurzelraum, Schäden durch Bauarbeiten und die Auswirkungen des Klimawandels. „Es wird immer schwieriger, die Bäume gesund zu erhalten. Hitze und Trockenheit belasten sie zusätzlich, machen sie anfälliger für Krankheiten und Schadenserreger. Wir müssen die Bäume häufiger und intensiver pflegen.“ 

Sorge bereitet Massaria. Das ist eine Pilzkrankheit, die vor allem Platanen befällt, von denen es im Essener Stadtgebiet viele gibt: „Wenn wir einen Ast mit Massaria entdecken, muss er möglichst schnell weg. Die Krankheit kann dazu führen, dass der Ast innerhalb weniger Monate abstirbt und dadurch bruchgefährdet wird“ – und daraus resultieren Gefahren, etwa für Passanten und den Straßenverkehr.

Für manche Menschen sind Bäume lästig, weil sie Licht wegnehmen und Dreck machen. Anderen sind sie schlichtweg egal. Was Amina entgegen würde? „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie eine Stadt ohne Bäume aussieht. Bäume spenden Schatten in Parks und Fußgängerzonen, verbessern die Luftqualität und schaffen Atmosphäre. Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig.“

Zwischen Büro und Baustellen

Wie viel ihrer Arbeitszeit sie im Büro verbringt und wie viel draußen, lässt sich morgens nie genau sagen – auf die Woche gesehen, schätzt Amina „etwa fifty-fifty“. Wenn etwas unklar ist, schaut sich die Sachbearbeiterin die Situation vor Ort an und sucht mit den Kolleg*innen nach der besten Lösung. 

Ein mögliches Szenario: Nester von Vögeln oder Eichhörnchen, die sich ausgerechnet in der Nähe von morschen Ästen befinden. Dann gilt es, mit der Naturschutzbehörde Rücksprache zu halten. „Wir müssen zwischen Naturschutz und Sicherheit abwägen und den Mittelweg finden“ – eine Sicherheitszone um den Baum herum einzurichten und abzusperren, ist bei diesem Szenario eine Option. Weitere Aufgaben im Außendienst: stichprobenartige Kontrollen, ob Baustellen vorschriftsgemäß abgesichert sind, und Qualitätssicherung.

Besonders schätzt Amina die Betreuung von Arbeiten auf dem Gelände von Kitas. „Die Kinder sind sofort da und wollen wissen, was ich mache“ – oft spielen die Jungen und Mädchen daraufhin Baumbegutachtung; prompt wird die Sachbearbeiterin zur Waldpädagogin. Konzentriert schauen die Kinder auf Stämme, Äste und Baumkronen. Eine typische Szene: „Ist dieser Baum gesund?“, will ein Kind wissen. Amina bejaht. Das Kind dreht sich zu seinen Freunden um: „Hab’ ich doch gesagt, ich hatte recht!“

Auf welche Fähigkeiten es im Job ankommt? „Zentral ist Verantwortungsbewusstsein für das Stadtgrün und die Sicherheit.“ Auch Flexibilität, sich spontan auf neue Situationen einzustellen, und Organisationsfähigkeit sind entscheidend.

Mehr entdecken: FAQ für Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst

Nach Feierabend geht die Forstwissenschaftlerin zufrieden nach Hause, wenn Qualität und Quantität der Arbeiten stimmen. Ganz abschalten kann sie in ihrer Freizeit jedoch nicht, berichtet Amina mit einem Augenzwinkern: „Wenn ich an einem Baum vorbeilaufe, scanne ich ihn oft unterbewusst, und schaue mir den Zustand an. Ich kann nicht mehr wie ein normaler Mensch durch die Stadt laufen!“

Text: cdi

Wie wird man Sachbearbeiter*in in der kommunalen Baumpflege?

Neben dem beruflichen Abschluss „Fachagrarwirt*in Baumpflege“ und dem Bachelor-Studiengang der Arboristik qualifizieren auch verwandte Ausbildungen für das in der Sachbearbeitung erforderliche Qualifikationsniveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens: So führen auch Meister-, Techniker- oder Studienabschlüsse der Fachrichtungen im Baumschulwesen, Garten- und Landschaftsbau, der Landschaftsarchitektur oder der Forstwirtschaft bei entsprechender Neigung in den Job.

Sachbearbeiter*innen in der kommunalen Baumpflege starten in der Regel je nach Qualifikation in der Entgeltgruppe 9 bis 11 (TVöD VKA). 

Aktuelle Entgelttabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.