• Foto zum Thema "Ausbildung Elektroniker": Zu sehen ist Ben Morgenstern, der seine Ausbildung zum Elektroniker beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel macht. Er arbeitet am Verteilerkasten.
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    Ben Morgenstern macht seine Ausbildung zum Elektroniker beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel. Foto: dbb/Jan Brenner

Ausbildung zum Elektroniker Den Strom in die richtigen Bahnen lenken

Hochspannung und Urlaubskulisse: Ben macht seine Ausbildung zum Elektroniker beim Bauhof Niederfinow, direkt neben den Schiffshebewerken. Strom hat er schon gespürt.

Zum FAQ: Wie wird man Elektroniker*in für Betriebstechnik?

Berufsschule, Physikunterricht, der Lehrer verkündet: „Wenn man schon einen Beruf mit Elektronik lernt, dann muss man mal gekostet haben“ – Ben weiß nicht so richtig, was er davon halten soll. Irritierte Blicke, auch bei den anderen, als sie nach vorne zum Pult gehen. Dort steht ein Kurbelinduktor. Ein Schüler fasst an den Minuspol, der nächste an den Pluspol, die übrigen sollen sich die Hände reichen, um den Stromkreis zu schließen. „So, dann wollen wir mal“, meint der Lehrer und kurbelt. Der Generator macht das, wozu er gebaut wurde, und erzeugt Strom. Wie es sich angefühlt hat, weiß Ben heute noch: „Das gab einen Dresch in den Knochen, das kann man sich nicht vorstellen!“

Ben Morgenstern ist Auszubildender im dritten Lehrjahr, sein Berufsziel: Elektroniker für Betriebstechnik. Sein Ausbildungsort: der Bauhof direkt neben den Schiffshebewerken im brandenburgischen Niederfinow, der zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel gehört. „Natürlich war sich der Lehrer sicher, dass niemand einen Herzschrittmacher oder so hat“, sagt der 21-Jährige. Die Spannung am eigenen Körper zu spüren, die dem elektrischen Strom innewohnen, das sei eine wichtige Lektion gewesen. „Es hat das Bewusstsein dafür geschärft, womit wir jeden Tag arbeiten. Und dass man aufpassen muss.“

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Niederfinow, etwa 25 Minuten östlich von Eberswalde, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Wer die Straße ins Tal hinunterfährt, kann die Schiffshebewerke schon von Weitem sehen – das alte ist 1934 in Betrieb gegangen, das neue 2022. Es handelt sich um Fahrstühle für Schiffe, die auf dem Oder-Havel-Kanal unterwegs sind. Die mächtigen Bauwerke überwinden einen Höhenunterschied von 36 Metern. Ben ist in der Region aufgewachsen und schätzt es, dass er hier seine Ausbildung machen kann: „Woanders wäre ich wahrscheinlich im Industriegebiet, irgendwo in einer lauten Halle“ – die attraktive Option, sich in der Mittagspause auf eine Bank an den Kanal zu setzen und aufs Wasser zu schauen, gäbe es dann nicht.

Wenn man dranbleibt, steigt die Lernkurve von ganz allein!

Ben

In den Schulferien hat Ben in einem Handwerksbetrieb gejobbt; nach der Mittleren Reife überlegt er, ob er direkt in die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik starten soll. „Meinen Eltern meinten, es könne nicht schaden, auch das Abitur zu machen, denn die Noten haben gepasst“, erzählt der gebürtige Eberswalder, der sich zunächst fürs Gymnasium entscheidet. „Aber dann habe ich festgestellt, dass es nicht einfacher wird, vor allem Mathe war ein Problem.“ Schließlich schlägt er den Mittelweg ein: das Fachabitur. Den theoretischen Teil hat er mit dem Abschlusszeugnis der 12. Klasse in der Tasche, für die Anerkennung braucht es noch eine Berufsausbildung. Beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bekommt er den Zuschlag und startet in die Ausbildung zum Elektroniker.

Mit dem richtigen Bezug klappt’s

Und dann ist sie wieder da, die Mathematik. Doch diesmal ist alles anders: „Ich will jetzt nicht sagen, dass mir plötzlich alles leichtfällt“, sagt Ben und lacht. „Aber einfacher ist’s schon, weil ich jetzt den praktischen Bezug habe.“ Die Auszubildenden rechnen etwas aus, setzen es technisch um und sehen am Ende den Erfolg: Das Licht geht an, eine Anlage oder eine Maschine laufen. Vorausgesetzt, es sind keine Fehler passiert. Ganz grundsätzlich gilt: Auf Genauigkeit kommt es an. Wer sich nicht an Schaltpläne hält oder einen Schaltschrank schlampig verdrahtet, hinterlässt seinen Kolleginnen und Kollegen schlimmstenfalls eine unlösbare Aufgabe, die niemand mehr bewerkstelligen kann.

Für viele Menschen ist und bleibt Elektrotechnik Hexenwerk, sagt Ben – „aber wenn man sich damit befasst, ist es eine schöne und spannende Sache.“ 

In der Ausbildung geht der angehende Elektroniker den Sachen auf dem Grund. Er lernt, wie ein elektromagnetischer Schalter funktioniert, ein sogenanntes Schütz. Er befasst sich mit Gebäudetechnik, also – ganz praktisch – damit, wie er Steckdosen, elektrische Leitungen und Verteilerkästen installieren muss. Und auch die Speicherprogrammierbare Steuerung, kurz SPS, steht auf dem Lehrplan. Dabei geht es darum, die Steuerung einer Maschine so zu programmieren, dass sie die gewünschte Aktion ausführt. Geübt wird passenderweise an dem Modell einer Klappbrücke, die nur wenige Kilometer weiter in Lebensgröße über den Finowkanal führt.

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Was Ben allen rät, die Interesse an der Ausbildung haben? „Technisches Interesse sollte man natürlich mitbringen“, unterstreicht er. Außerdem sind Ausdauer und Durchhaltevermögen wichtig. „Wenn man dranbleibt, steigt die Lernkurve von ganz allein!“ – im dritten Lehrjahr merke er die Fortschritte, die er in den vergangenen Jahren gemacht hat. „Wenn die Kollegen am Schiffshebewerk fachsimpeln, weiß ich, worum es geht, und kann mitreden.“

Text: cdi

FAQ: Wie wird man Elektroniker*in für Betriebstechnik?

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung erfüllen?

Voraussetzung ist ein Mittlerer Schulabschluss. Zusätzlich kann das Bestehen eines Eignungstests erforderlich sein, in dem handwerkliches und naturwissenschaftliches Interesse abgeprüft werden.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung dauert in der Regel 3,5 Jahre und endet nach bestandener Prüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer.

Was sind zentrale Ausbildungsinhalte?

Schwerpunkte sind das Installieren, Inbetriebnehmen und Instandhalten von elektrischen Anlagen und Systemen, darunter Lichtanlagen, intelligente Gebäudesysteme, industrielle Produktionsanlagen und speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS).

Praktisch heißt das: Strom, Spannung, Widerstand messen und berechnen, Leitungen verlegen, Kabel abisolieren und Verteilerkästen verdrahten. Hinzu kommt das Anfertigen von Schaltplänen und technischen Zeichnungen.

In der Berufsschule stehen die Fächer Mathematik und Physik im Vordergrund. 

Wo findet die Ausbildung statt?

Die praktische Ausbildung findet direkt im Betrieb statt, die theoretische in der Berufsschule und auf Lehrgängen.

Die Auszubildenden beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel besuchen die Berufsschule in Schwedt.

Was verdient man als Elektroniker*in für Betriebstechnik?

In der Privatwirtschaft lassen sich hierzu keine allgemeinen Aussagen treffen, weil das Gehalt Verhandlungssache ist.

Wer nach abgeschlossener Berufsausbildung beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel übernommen wird, startet in der Entgeltgruppe E6 (TVöD Bund).

Aktuelle Entgelttabellen veröffentlicht der dbb beamtenbund und tarifunion.

Welche Karrierechancen bieten sich für Elektroniker*innen für Betriebstechnik?

Die Ausbildung bietet ein solides Fundament: Wer sich weiterbilden möchte, kann den Techniker oder Meister draufsatteln. Eine weitere Option: Ingenieurwesen oder Maschinenbau studieren, sofern eine Hochschulzugangsberechtigung vorliegt.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen findest du bei den Industrie- und Handelskammern, außerdem bei allen Ausbildungsbetrieben, hier exemplarisch beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel.