• Foto zum Thema "70 Jahre dbb jugend": Zu sehen ist Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, am Rednerpult.
    Wer sich organisiert, kann echte Verbesserungen erreichen, unterstrich Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend. Zum Beispiel die unbefristete Übernahme in den Job nach erfolgreicher Ausbildung, die heute im öffentlichen Dienst tariflich verankert ist. Foto: Alex Habenicht

Gewerkschaft früher und heute „Der öffentliche Dienst braucht junge Menschen!“ – 70 Jahre dbb jugend

Die dbb jugend feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Ein Anlass, um auf Anekdoten und Erfolge der vergangenen Jahrzehnte zurückzublicken.

„Wir können mit Stolz sagen, dass wir den öffentlichen Dienst nachhaltig verändert haben“, sagte Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, auf dem Parlamentarischen Sommerfest der dbb jugend in Berlin am 8. Juni 2026. „Wir haben es geschafft, die Stimme der jungen Generation innerhalb des dbb fest zu verankern und Jugendbeteiligung nicht nur zu fordern, sondern dauerhaft zu etablieren. Die Anliegen junger Menschen werden heute gehört, an den Verhandlungstischen und in den Entscheidungsgremien.“

Vertrauen und Verlässlichkeit entscheiden

Daniela Ludwig, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, gratulierte der dbb jugend in ihrem Grußwort zu „70 Jahren Mut, 70 Jahren Zusammenhalt und 70 Jahren Haltung.“ Sie erzählte, wie die Schulpflicht der eigenen Kinder ihren Blick auf das Berufsbeamtentum, insbesondere auf verbeamtete Lehrer, geprägt habe. Die Kinder seien, etwa über Social Media, täglich einer Flut auch von Fakenews ausgesetzt. „Mir ist deutlich wohler, wenn einmal am Tag jemand vor denen steht, der ein Demokrat ist und sich dem Grundgesetz verpflichtet sieht.“

Es sei wichtig, dass ein Staat handlungs- und leistungsfähig ist und auch bleibe. „Sie setzen das um, was wir uns im Deutschen Bundestag ausdenken. Und daraus entsteht für die Bürgerinnen und Bürger Vertrauen und auch Verlässlichkeit. Wir brauchen Sie als unsere Staatsdiener. Sie halten für uns den Kopf hin.“ 

Die CSU-Abgeordnete versprach: „Sie kommen gerade erheblich unter Druck. Wir stehen an Ihrer Seite. Vielen Dank für Ihr Tun!“

Bei der Besoldung hänge man zurück, wolle die Erneuerung der Besoldungsstruktur zeitnah über die Rampe bringen. Ludwig schloss mit den Worten: „Feiern Sie sich bitte. Sie haben es verdient!“

Ich bin stolz auf die vielen kreativen Aktionen, die wir in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben.

Daria Abramov

Ein Ehemaliger berichtet

Im Anschluss ließen Dietmar Knecht, Landesvorsitzender des dbb mecklenburg-vorpommern und ehemaliger Vorsitzender der dbb jugend, und Daria Abramov, Erste stellvertretende Vorsitzende, auf dem Podium die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren. 

Knecht ist Mitglied in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und  erzählte, wie er 2004 eigentlich als Tarifexperte in die Bundesleitung der dbb jugend gekommen sei, die damals ausnahmslos aus Beamten bestanden habe – und unvermittelt Vorsitzender geworden sei. 

Lokomotivführer Knecht habe bis 2007 um die Existenz der dbb jugend gekämpft. Alle waren sich einig, dass es eine dbb jugend geben muss. In einem „schmerzhaften Konsolidierungsprozess“ fokussierte er sich auf die Schnittmengen mit dem Erwachsenenverband. Seitdem habe sich eine Menge geändert: „Ich möchte Euch Respekt zollen, wie weit Ihr es gebracht habt. Zu meiner Zeit hat man mit einem demografischen Überhang gekämpft, und Azubi-Themen kamen ganz zuletzt in die Tarifverhandlungen.“ Man habe nach Kräften versucht, Benachteiligungen für Berufsanfänger zu verhindern. Rückblickend bezeichnet er die dbb jugend als eine „Lehrwerkstatt für Verbandsarbeit“.

Eine Amtszeit, viele Themen

Daria Abramov vollzog den Sprung in die Gegenwart, in die Amtszeit der aktuellen Bundesjugendleitung. Es gebe zahlreiche Themen und Ereignisse, die eine große Rolle gespielt und sie stark bewegt hätten. Allem voran der Tod von Ulrich Silberbach, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden des dbb, im vergangenen Jahr. „Uli war ein Freund der Jugendarbeit. Und für mich persönlich ein Wegbegleiter, in der Gewerkschaft bin ich mit ihm groß geworden.“

Sprünge in die Elbe, um auf die berechtigten Forderungen in der Tarifrunde aufmerksam zu machen. Eine Fahrrad-Demo mit knapp 100 jungen Menschen durch Potsdam. Und ein Jenga-Turm aus XXL-Umzugskartons, den die jungen Gewerkschafter*innen vor dem Brandenburger Tor aufgebaut haben. Die Botschaft: Wenn die Politik nichts unternimmt, kracht der öffentliche Dienst zusammen. Wie ein Jenga-Turm. 

„Ich bin stolz auf die vielen kreativen Aktionen, die wir in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben“, sagte Abramov, für die insbesondere auch die Sicherheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ein entscheidendes Thema der Gegenwart ist. „Ich freue mich, dass unsere Arbeit in der AG Sicherheit inzwischen im gesamten Verband Gehör findet. Denn es ist skandalös, wenn Beschäftigte des Staates beleidigt, bedroht oder gar geschlagen werden, bloß weil sie ihren Job machen!“

Mehr entdecken: Beleidigungen und Übergriffe als Dank

Auf der organisatorischen Ebene beschäftigen die dbb jugend die gestiegenen Kosten, alles sei teurer geworden, die Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes könnten den Bedarf nicht abfedern, berichtete Abramov. „Wir mussten in der Vergangenheit viel absagen, weil schlicht das Geld fehlte.“ Sie habe aktuell keine großen Hoffnungen, dass die KJP-Mittel steigen.

Auch früher ging’s ums Geld

Toni Nickel, der das Gespräch moderierte, zog Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart: „In den Achtzigerjahren wollte die Politik bis zu 15 Prozent bei den Auszubildenden im öffentlichen Dienst einsparen“, berichtete er. Dem Vorhaben habe sich die dbb jugend natürlich widersetzt. „Diese Sparwut der Politik bekommen wir heute immer noch zu spüren. Und auch heute sagen wir: Nein danke!“

Übernahme nach Ausbildung

Für junge Menschen im öffentlichen Dienst hat die dbb jugend in den vergangenen Tarifverhandlungen einiges herausgeholt. „Wer sich organisiert, kann echte Verbesserungen erreichen“, unterstrich Matthäus Fandrejewski, Chef der dbb jugend. Er sieht insbesondere die tariflich verankerten Übernahmeregelungen für alle, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, als großen Erfolg. „Was einst eine Forderung war, ist heute Realität. Eine Realität, welche die Leistung der Auszubildenden anerkennt, Planungssicherheit für die Zukunft schafft und von der das klare Signal ausgeht: Der öffentliche Dienst braucht junge Menschen!“

Text: ada, wim, cdi